
Februar: Der Winter will nicht mehr aufhören.
Die diesjährige Verleihung der Echo-Preise hatte ihre ganz eigentümlichen Höhepunkte. Einer von ihnen war, folgt man dem Gerede vieler Kommentartoren, die Preisverleihung an Paul Potts, einem eher durchschnittlichen Arienträllerer aus England. Der blinde Sänger hatte im letzten Jahr eine Castingshow gewonnen und sich als "hochemotionaler" Act in die Herzen des Massenpublikums tiriliert. Auch bei der Preisübergabe drückte man mächtig auf die Tränendrüse, so dass selbst beim nüchternen NDR der Begriff der "Emotionalität" die Runde machte.
Emotionalität ist mittlerweile zum Kampfbegriff des modernen Musikmarketings geworden. Wer trotz künstlerischer Mittelmäßigkeit so richtig absahnen will, muss sich heute förmlich die Herzen und Portemonnaies seiner Fans erheulen. Erst wenn dem Geseiere das Prädikat "emotional" verliehen wird, besteht kommerzielles Potenzial - wobei die Verpackung längst den Inhalt angelöst hat. Ähnliches war auch in Deutschland zu beobachten, als ein sterbenslangweiliger Mundharmonikabläser zum Medienstar stilisiert wurde, bloß weil beim TV-Casting durch einen flachen Privatsender geschickt Emotionen fabriziert wurden. Mal ehrlich, das öde Gedudel würde sonst höchstens ein wachkomatöses Kaffeefahrtklientel beeindrucken - würde da nicht die künstliche Retortenemotion alle Hirnwindungen zukleistern. Jetzt hören selbst Teenager das Zeug, das sie bei ihren Großeltern immer gehasst haben, und tupfen sich dabei die Tränchen von der pickeligen Wange - den Industrieemotionen sei Dank.
Weniger emotional ging es neulich bei einer Bandprobe zu, als im Taumel früher Frühlingsgefühle beschlossen wurde, endlich mal wieder eine lübsche Bühne zu entern. Die Meinungen gingen auseinander, ob man schon auftrittsreif sei, doch durchgesetzt haben sich Zuversicht sowie Einsicht in die Endlichkeit des Seins. Weil unser Repertoire noch nicht ganz abendfüllend ist, haben wir für unseren ersten Auftritt nach fast drei (!) Jahren die Form der Supportband gewählt. So müssen wir nicht ganz so lange spielen, und das Publikum kommt dank des Hauptacts trotzdem auf seine Kosten. Selbstredend sind Liquid Sky der Inbegriff des Topacts, daher soll und wird das nicht zur Regel werden. Sobald unser Repertoire ausgedehnt genug ist, geht's auf Tour durch die müde Hansestadt und ihr Umland.
Am 20. März präsentieren wir aber erst mal den neuen Lsky-Sound im SOUNDS an der Untertrave und als Vor- (oder neudeutsch) Supportband von SUPERVOSS aus Bremen. Unterstützen wird uns dabei Dirk Molzahn als Gastmusiker an Gitarre und Gesang - Ihr dürft also sehr gespannt sein!
In diesem Sinne wünschen wir Euch einen guten Start in den aufkeimenden Frühling! Mögen Euch Eure Hormone erfolgreich von den Wirren der Wirtschaftskrise ablenken, die an Euch hoffentlich folgenlos vorbeizieht.
Musikalische & solidarische Grüße
Frank