Musikbrief März 2011


Spontanspuk

Moin Fans, Sympathisanten und Musikfreunde!


Nu isser weg. Endlich! Lange genug hat er an seinem Stuhl geklebt, Deutschlands Pomadenhannes und Plagiator Nummer Eins. Vom konservativen Senkrechtstarter und beliebtesten Politdarsteller zur peinlichsten Lachnummer in Merkels Witzfigurensammlung. Und das in nur zwei Wochen. Gratulation, Euer Hochwohlgeboren, Gratulation! Es gibt also doch noch Reste von Gerechtigkeit auf dieser Welt.

Ende Februar sah das alles noch anders aus - eher nach einem miesen Beispiel für dreiste Doppelmoral und Ungleichheit. Für das schamlose Messen mit zweierlei Maß. Für die Möglichkeit, trotz schwerwiegender Vergehen ungestraft davonzukommen - nur wegen der bloßen Zugehörigkeit zur "Elite" dieser Gesellschaft. Lassen wir uns diese moralische Verkommenheit mal auf der Zunge zergehen: Merkel tut die Erschummelung eines Doktorgrades durch ihren pomadigen Kriegsminister als Kavaliersdelikt ab. Eine strafrechtlich relevante Titelerschleichung als verzeihlicher Ausrutscher eines braven Mannes. Und das, während gleichzeitig Menschen wegen zwei gegessener Wegwerfbrötchen oder einer unterstellten Unterschlagung in Centhöhe mal schnell den Job verlieren. Fristlos und ohne großzügige Abfindungszahlungen. Wegen fehlender Vertrauensbasis....

Doch bei aller Freude über Guttenbergs peinliche Abdankung fragen wir uns auch, wie es soweit kommen konnte. Wie um alles in der Welt erklärt sich ein "Summa Cum Laude" für eine mittelmäßige und zusammengeklaute Doktorarbeit? Am ehesten wohl mit üppigen Geldspenden der Baronenfamilie an die Bayreuther Uni. Ganz uneigennützig natürlich, nur zur Förderung der Wissenschaft. Aber wenn im parallelweltlichen Geklüngel des Elitenkartells auch ein bisschen Förderung für den pomadetragenden Spross abfällt, wer wird da schon nein sagen? Man hat es sich ja verdient, wozu ist man schließlich reich! Und wer will es da den greisen Herrn Doktorvätern verübeln, wenn sie mal nicht so genau hinschauen? Oder die adelige Arbeit nicht durch Suchmaschinen jagen, wie es sonst schon bei Hausarbeiten Routine ist.

Bleibt noch der Blick auf die Medien. Ihnen schließlich gab der Ölige beleidigt die Schuld an seinem Rücktritt. Doch auch hier nur verlogenes Gejammer: Besonders Springers Propagandablatt "Bild" war keine Anbiederung zu peinlich, um den Kerl im Amt zu halten. Kein Wunder, wenn das Kriegsministerium Springers Krawallblättern millionenschwere Anzeigenverträge in Aussicht stellt. Unvergessen auch sein Familienurlaub mit privatem TV-Moderator in Afghanistan. Krieg zum Anfassen, ein militaristisches Show-Event der Extraklasse. Wartainment in Reinform. Fehlten nur noch Stefan Raab und seine Lena als Pausenclowns in Camouflage.

Doch jetzt ist der Ofen aus und der konservative Moralapostel selbst ein überführter Schwindler. Vernünftige Leute weinen ihm keine Träne hinterher. Und trotzdem formiert sich der konservative Widerstand. Auf facebook haben seine biederen Apostel eine Seite eingerichtet. Motto: "Wir wollen Guttenberg zurück!". Klingt fast so wie "Wir wollen unsere Kotze zurück!" Sogar demonstrieren will man für die Rückkehr des Plagiators. Keine Frage: Die Berühmtheit mancher Zeitgenossen hängt mit der Blödheit ihrer Bewunderer zusammen. Und die scheint im konservativen Milieu zu beängstigenden Höhenflügen anzusetzen.

Kommen wir nach der politischen Unkultur zum musikalischen Teil. Gitarristen hatten im Februar den Tod eines ihrer Idole zu beklagen: Gary Moore fiddelte sich über den Jordan. Ob sein Verlust in musikalischer Hinsicht als schwerwiegend beurteilt werden kann, lässt sich eher verneinen. Sicher, er war ein technisch exzellenter Saitenzauberer. Aber wie viele Leute dieser Zunft blieb er langweiligem und angepasstem Mainstream verhaftet. Kein Mann der Visionen also, sonder eher der gutbürgerlichen Hausmannskost. Unvergessen wird wohl leider sein Megahit "Still got the Blues" bleiben - triefiger Kuschelrock für tätowierte Lederhosenträger.

Ungleich nerviger und immer noch am Leben ist dagegen ein anderer Zeitgenosse: Stefan Raab. Im Februar durften Interessierte miterleben, wie der selbsternannte Retter des flachgeistigen Grand Prix d‘ Eurovision sich anschickte, ein unschuldiges Mädchen zu verheizen. Nun ja, ganz so unschuldig ist auch seine Castingpomeranze Lena nicht. Denn wer sich freiwillig in die Fänge der Kulturindustrie begibt, hat selber Schuld. Wie dem auch sei, Raab gebührt zumindest Anerkennung dafür, mit der TV-Sendung "Unser Song für Deutschland" (ARD, 18.02.) das bundesdeutsche Wahlsystem treffend nachgestellt zu haben - wenn auch unbewusst. Man durfte ganz scheindemokratisch wählen, aber eben immer nur die selbe Person. Diese sang zwar unterschiedliche Titel, aber alle aus dem Einehitspott biederer Industriesülze. Ganz so, wie man bei politischen Wahlen auch nur zwischen unterschiedlichen Ausprägungen der selben neoliberalen Soße der etablierten Parteien wählen kann.

Ich habe übrigens - aus Versehen - in die Sendung reingezappt. Zu hören war ein selbst für Industriemusik erstaunlich mäßig produziertes Geseiere. Und das liebe Mädel war meilenweit davon entfernt, auch nur halbwegs überzeugend singen zu können. Doch der Jubel der Masse war ihr trotzdem sicher. Erinnert irgendwie an die Geschichte mit dem Lügenbaron...

Blicken wir abschließend auf unsere aufstrebende Kapelle Liquid Sky. Auch wir freuen uns alle darüber, dass der Winter weicht und der Frühling naht. Damit steigen auch die Temperaturen im Übungsraum, was die Probenarbeit um einiges angenehmer macht.

Wie Ihr sicher schon bemerkt habt, gibt es unter der Rubrik "Aktueller Probenmitschnitt" kleine Videofilmchen zu sehen. Sie dokumentieren unseren harten Probenalltag und dienen der gepflegten Unterhaltung. Proben bedeutet allerdings, Dinge zu üben, die man noch nicht perfekt beherrscht oder die man gerne noch besser beherrschen würde. Daher sind diese Mitschnitte keine hochglanzpolierten Music-Clips mit TV-Tauglichkeit. Das sollen sie auch nicht. Vielmehr wollen wir Euch damit einfach nur an unserem Tun teilhaben lassen.

Zum Schluss noch eine Ankündigung: Erinnert Ihr Euch noch an das Haindl-Spatzier-Projekt? Jenes unvergleichliche Power-Duo, das zwischen 1990 und 2002 regionale Musikgeschichte schrieb? Wenn nicht, dann wird es dringend Zeit, und wenn ja, dann um so besser: Joachim und ich planen ein Revival. Zunächst einmal richten wir eine MySpace-Seite ein, auf der Ihr viele der HSP-Songs hören und betörende Dokumente sichten könnt. Auch bislang unveröffentlichtes Material. Wäre ja schade um die schöne Musik! Infos findet Ihr auch hier auf www.liquidsky-rock.de.

Mit solidarischen und musikalischen Grüßen

Frank