Musikbrief Juni


Bandfoto mit Frühlingsgrüßen

Moin Fans, Sympathisanten und Musikfreunde!

Die Zeiten des Krautrock sind lange vorbei. Leider, muss man sagen, denn seit dieser ausgesprochen innovativen Musikepoche haben die Deutschen kulturell nicht mehr allzu viel Nennenswertes zustande gebracht. Sicher, es gab auch die Neue Deutsche Welle, doch diese ging an ihrer konsequenten Kommerzialisierung zu Grunde. Als Mixtur aus Post-Punk, Schlager, Pop und Comedy wohnte der NDW ein durchaus innovatives Potenzial inne, das jedoch durch gierige Plattenfirmen ad absurdum geführt wurde. Das Ende vom Lied waren alberne und belanglose Klamotten ohne jegliche Existenzberechtigung. Sieht man mal von gewissen Nischenströmungen wie etwa dem Hamburger Hip Hop oder dem pyromanischen Teutonenrock Ramsteins ab, produziert die deutsche Musikindustrie heute nur noch nachgeäffte Einheitsware mit angloamerikanischem Bezug. Oder eben sülzigen Schlagerpop.

Der alljährliche Wettstreit europäischer Komponisten um die massenkompatibelste Flachsoße, der Grand Prix d'Eurovision de Chanson, führte uns genau das wieder vor Augen. Ich gebe zu, diese hochspannende Parade musikalischen Brechdurchfalls nicht goutiert zu haben. Drei Stunden Schlagerkotze sind selbst im Delirium nicht zu ertragen. Hellhörig wurde ich erst, nachdem das schlechte Abschneiden des deutschen Beitrages durch die Medien geisterte. Dabei unterscheidet sich das Machwerk "Miss Kiss Kiss Bang" kaum vom internationalen Kommerzbrei der anderen Industriekomponisten. Belangloser Ami-Swing, präsentiert mit pseudofröhlicher Bigband, einer schmalzig-schwuchteligen Animateursnudel am Mikro und dem Komponisten Alex Christensen höchstpersönlich am unvermeidlichen Flügel, sind nun mal alles andere als innovativ. Sollen es natürlich auch nicht sein, denn in der Kommerzmusik kommt es schließlich nur auf leichte Konsumierbarkeit und den Mitschunkel-Faktor an. Dass Produzent Christensen hiervon viel versteht, hat er in der Vergangenheit tatkräftig bewiesen. Ihm verdanken wir kulturelle Höhenflüge wie "Du hast den schönsten Arsch der Welt" sowie einen Großteil des Industriepopgeschmodders von Bro'sis, Right Said Fred oder Marky Mark. Dass wir ihm dafür nicht unbedingt dankbar sein können, versteht sich von selbst.

In den Lübecker Nachrichten beschwerte sich der erfolgsverwöhnte Kulturverflacher nun bitterlich über die Ungerechtigkeit der Grand-Prix Bewertung. Das kann man gut verstehen, schließlich hat sich der Gute viel Mühe mit seinem Liedchen gegeben. Sein schlechtes Abschneiden begründet er u.a. damit, dass man die Deutschen halt nicht leiden könne. So unrecht hat er damit im Ansatz nicht. Denn wenn sich die Beitrage in ihrer Flachheit bis aufs Haar gleichen, bleiben zur Bewertung eben nur noch Nebenkriterien wie die Beliebtheit der Entsendenation oder vielleicht noch das Sex-Appeal der Interpreten. Beides, insbesondere auch letzteres, schien sich auf niederem Niveau zu bewegen.

Vielleicht kann man uns Deutsche ja wieder mehr leiden, wenn wir bessere Musik produzieren. Besoffene Horden, die auf Malle "Du hast den schönsten Arsch der Welt" skandieren, tragen auf alle Fälle nicht zu internationaler Beliebtheit bei. Und auch nicht der immergleiche Brei der gecasteten oder sonstwie zusammengeschusterten "Bands" und Retortenplärrer. Auch dem Image der sonst eher untadeligen Schweiz sind die kulturellen und ökonomischen Botschafter DJ Bobo, Josef Ackermann und Thomas Straubhaar eher schlecht bekommen.

Im Gegensatz dazu arbeiten wir unermüdlich an hochwertigen Beiträgen zur Musikkultur. Natürlich lässt sich nur schwer ein Gegengewicht zum Kommerzmüll der Medienkonzerne und ihrer Hofproduzenten schaffen, doch gibt auch Kleinvieh bekanntlich viel Mist. Um Euch und uns in Zukunft mit viel hörbarem Material zu versorgen, haben wir im Probenraum alles neu verkabelt und arrangiert, so dass wir das Gespielte direkt und in relativ guter Qualität mitschneiden können. Am Klang muss noch ein wenig gefeilt werden, aber wir sind auf dem besten Wege. Weiterhin werden wir demnächst damit beginnen, einige hochwertige Demostücke aufzunehmen - diese dann aber nicht als Live- oder Probenmitschnitt, sondern im Multitrackverfahren. Auch unsere Website wurde im Design ein wenig geändert, was auf sachdienliche Vorschläge von Dirk zurückgeht. Die Optik ist nun nicht mehr ganz so bunt, sondern klarer und augenfreundlicher. Und zu guter Letzt planen wir natürlich Auftritte in und um Lübeck - damit dieser Sommer zumindest in musikalischer Hinsicht ein Erfolg wird. Wir bleiben am Ball!

Musikalische und solidarische Grüße

Frank