
Vor dem Probenraum an Midsommar (ca. 23 Uhr)
Moin Fans, Sympathisanten und Musikfreunde!
Nun also doch die Cholera. Nach drei Wahlgängen darf nun Christian Wulff das höchste Amt dieses strauchelnden Staates begleiten. Sozialfeindin Merkel schaut indes ein wenig bedröppelt in die Röhre, nachdem ihr blasser Wunschkandidat nicht gleich beim ersten Anlauf gewählt wurde. Nun wird der verknöcherte Kommunistenjäger Gauck von Journaille und rotgrüner Scheinopposition zum Präsidenten des Herzens hochstilisiert, was einer Apotheose des Teuflischen nahekommt.
Um eines klarzustellen: Der biedere und blasse Wulff wird in diesem zum Glück recht zahnlosen Amt weniger Schaden anrichten, als der ewiggestrige Pfarrer und Großinquisitor Gauck. Dieser hatte als Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde in durchaus selbstgerechter Weise darüber bestimmt, wer Täter und wer Opfer war, wessen Leben weitergehen, und wer ins Abseits gestellt werden soll. Gauck stimmt dem Afghanistaneinsatz der Bundeswehr ebenso zu, wie dem massiven Sozialabbau der Schröderschen Agendapolitik und ihrer dreisten Fortsetzung in Form der aktuellen Sparpakete. Sein Freiheitsbegriff ist so verlogen wie ideologisch verbrämt, denn er unterstützt die politische und ökonomische Entrechtung von Millionen Menschen in einem quasi-totalitären Kapitalismus, der auf zunehmend repressiven Überwachungsstaaten fußt. Indem er den Sozialismus diskreditiert, bekämpft er die Entwicklung eines dringend nötigen Gegenmodells zum aktuellen Gesellschafts- und Krisensystem. Genau das ist seine ideologische Funktion, genau dafür hatten ihn SPD und Grüne ins Rennen geschickt.
Klar, dass Menschen mit einem ausgeprägten sozialen Gewissen einem solchen Spalter keine Stimme geben können. So auch die Delegierten der LINKEN, die sich im dritten Wahlgang mehrheitlich enthielten. Dass sie dafür von von SPDlern und Grünen als nicht demokratiefähig gescholten wurden, ist ein deutlicher Gradmesser für die politische Verkommenheit der Hartz-IV-Erfinder. Schon lange nicht mehr Rot oder Grün, schon lange nicht mehr sozialdemokratisch, oppositionell oder alternativ, hat man sich bequem im neoliberalen Mainstream eingenistet. Allenfalls in Nuancen unterscheidet man sich noch von den konservativen und liberalen Brüdern im Geiste. Faktisch zu Fraktionen einer heimlichen Einheitspartei geworden, befördert man die Illusion einer parlamentarischen Demokratie.
Doch Demokratie bedeutet, echte Alternativen denken und verwirklichen zu können. Demokratie bedeutet auch, seine Stimme einem Kandidaten verweigern zu dürfen, der aus gutem Grunde den eigenen Überzeugungen widerspricht. Dies zu beschimpfen, zeugt von einem gefährlich naiven Demokratieverständnis: Gefährlich, weil nur noch das als demokratisch gilt, was dem vereinheitlichten Ideologiehorizont der politischen und wirtschaftlichen Tonangeber entspricht. Naiv, weil man von einer trügerischen Gewissheit davon abgehalten wird, die zunehmend totalitären Strukturen unserer Alltagswelt zu erkennen.
Denn die drei Wahlgänge euphorisch als "gelebte Demokratie" zu verklären, geht meilenweit an den Lebenswelten von Millionen Bürgerinnen und Bürgern in diesem Lande vorbei. Ihre demokratische Teilhabe wird durch ökonomischen Terror, Stigmatisierung, Bespitzelung oder Bildungsentzug systematisch erschwert. Was bleibt, ist die sogenannte Mediendemokratie, in der eine Handvoll konzentrierter Medienkonzerne die öffentliche Meinung bestimmt. Mit "BILD" in der Hand und Günther Jauch im TV lässt sich auch als entrechteter und gegängelter Hatz-IV-Empfänger problemlos die Schwarz-Rot-Goldene Fahne aus dem Fenster hängen. Und glauben, dass schon alles seine Richtigkeit hat, solange die DFB-Auswahl gewinnt und es massenmedial inszenierte Staatsrituale gibt.
Neulich träumte ich, dass all die Partypatrioten in diesem Land, all die schwarz-rot-goldenen Fähnchenschwinger und Trötenbläser, ihre Energie nicht in nutzlose Fußballbegeisterung steckten, sondern in den politischen Kampf. Statt der bunten Nationalwimpel hingen rote Fahnen aus den Fenstern, und auf den öffentlichen Public-Viewings pfiff man die Reden des Merkel-Kabinetts aus. Doch ich wachte auf und musste mit ansehen, wie einen weiteren Tag lang das gewaltige Mobilisierungspotenzial der Masse sinnlos verpuffte. In systemstabilisierendem Fußballwahn. Brot, Spiele und Mediendemokratie - welch ein Jammer!
Aus aktuellem Anlass erneut ein sehr politischer Musikbrief, aber musikalisch ist im Juni irgendwie auch nicht viel passiert. Der nächste wird sich dann wieder mit Mukke & Co. befassen, erscheint wegen einer längeren Reise des Autors allerdings erst im September.
Obwohl der Sommer mittlerweile zur Hochform aufgelaufen ist, haben wir von Liquid Sky in den vergangenen Wochen fleißig geprobt und gleich fünf neue Songs in unser Repertoire aufgenommen. Diese müssen natürlich noch eingeübt und auch als Demos aufgenommen werden. Dass wir Verstärkung an der Gitarre suchen, habt Ihr sicher schon unserer MySpace-Seite oder dem aktuellen "Ultimo" entnommen. Trotzdem noch einmal unser Appell: Traut und meldet Euch! Allerdings wird in den kommenden Wochen probentechnisch nicht allzu viel passieren, denn es ist, wie sollte es anders sein, Urlaubszeit. Für den Spätsommer und Herbst streben wir dann musikalisch die Topform an!
In diesem Sinne wünschen wir Euch viele heiße und sonnige Tage, ein ebensolches Gemüt und nicht zuletzt ein dickes Fell wegen der leidigen Fußball-WM!
Mit solidarischen und musikalischen Grüßen
Frank