
Jahresendzeitliche Impression (Weihnachtsmarkt Schwerin)
Moin Fans, Sympathisanten und Musikfreunde!
So schnell kann‘s gehen: Kaum haben wir uns an den Herbst gewöhnt, bricht auch schon der Winter über uns herein. Mit Temperaturen jenseits der Frostbeulengrenze, Schnee, Eis und allem, auf das wir gut verzichten können. Dabei ist erst Mitte Dezember - garnicht auszudenken, was da noch alles auf uns zukommen mag. Glaubt man einigen Langzeitprognosen, dann steht uns ein weiterer Jahrhundertwinter vor der Tür. Mit zweistelligen Minusgraden, Schneekatastrophen, zugefrorenen Harnröhren und weiteren polaren Ärgerlichkeiten, die den Kollaps unserer fragilen Zivilisation geradezu herbeizwingen. Denn schon jetzt strauchelt unsere hypermoderne Infrastruktur am Rande ihres Kollapses entlang. Kaum schneit es mal ein paar Tage, schließen ganze Landkreise die Schulen, fallen reihenweise Zugverbindungen aus und verunfallen tonnenweise Blechkisten auf den Straßen.
Es ist also ein kalter Herbst geworden, und nicht etwa der heiße, den uns Gewerkschaften, Sozialverbände und außerparlamentarische Oppositionsgruppen ob der haarsträubenden Regierungspolitik versprochen hatten. Irgendwie muss das Interesse am Protest dann doch untergegangen sein, was jammerschade ist, da sich die Stoßrichtung der Bundespolitik um keinen Deut gebessert hat. Im Gegenteil. Doch irgendwie hat es der brave Deutsche nicht so mit dem Protest. Lieber erduldet er resignativ all die Demütigungen und Benachteiligungen durch die Berliner Clownriege und ersäuft seinen Ärger in süßem Glühwein mit Schuss.
Wie dem auch sei, eines ist nicht sicher: die Welt nämlich, und hier insbesondere ihr kleiner Ausschnitt Bundesrepublik Deutschland. Dort ist es brandgefährlich, denn der Terror geht um. Darauf hat uns Innenminister De Maizière und seine Sicherheitsexperten hingewiesen. Zwar nicht ganz so plump, wie sein ganzheitlich grenzwertiger Vorgänger, doch immerhin. Da mochte den Sicherheitsfanatikern das peinliche Selbstmordattentat eines schwedischen Exil-Irakers in Stockholm äußerst gelegen gekommen sein. Denn nichts scheuen reaktionäre Innenexperten so sehr, wie das triste Nichts fehlender Gewalt. Erst wenn‘s so richtig Rummst, lässt sich der Totalüberwachung wieder einen Schritt näher kommen. Und so schreit das bürgerliche Politlager mal wieder reflexhaft nach Vorratsdatenspeicherung und weiterem Abbau demokratischer Grund- und Bürgerrechte. Die einen bedrohen die Bevölkerung mit Sprengstoffgürteln / -paketen, die anderen als gewählte Volksverräter vom Schreibtisch aus. Terror har eben viele Gesichter.
Bleiben wir noch für ein Weilchen in Schweden. Ausgerechnet dort, in diesem früheren Flaggschiff freiheitlichen Fortschritts, wurde Wikileaks-Gründer Julian Assange eines sexuellen Vergehens angeklagt. Nun, geil sein kann jeder mal. Aber dass gerade Herr Assange die Kontrolle über sich verloren haben soll - besonders nach Veröffentlichung all der peinlichen US-Diplomaten-Depeschen - das stinkt mindestens bis zum Mond. Dass es der umtriebige Australier mit seinen Veröffentlichungen immerhin auf Platz Zwei der US-amerikanischen Schwarzen Liste geschafft hat (also gleich hinter Bartmodel Osama), spricht dicke Bände. Die USA, spätestens seit 9/11 ein Vorreiter in Sachen autoritärer Überwachungsstaat, scheinen es panisch zu fürchten, wenn die Bevölkerung Einblick in das verkorkste Regierungsinnere erhält. Nach außen hin überwachen und kontrollieren, nach innen hin abschotten und verrammeln - so handeln nur paranoide Angststaaten (oder Metukratien - metus: lat. die Angst, kratein: griech. herrschen, um einen neuen Begriff zu erfinden). Freiheitliche Demokratien jedenfalls nicht. Und so ist es auch kein Wunder, dass nicht nur konservative US-Politiker kurz davor sind, über Assange eine Fatwa mit Todesstrafe auszusprechen.
Kommen wir zum musikalischen Teil. Wie jedes Jahr weihnachtet es Mitte Dezember sehr, was heissen soll, dass sich ein bestimmter Teil tradierter Kulturgüter wie ein bleierner Teppich über ganze Landstriche legt. Nun ist Weihnachten eine originär christliche Veranstaltung, was es eingefleischten Atheisten wie mir in dieser Zeit nicht leichter macht, die Nerven zu behalten. Zudem nölt uns immer wieder das abermilliardenfach gehörte Gedudel entgegen, dass der Jahresendzeit ihr besonderes reaktionär-hausbackenes Flair verleiht. Denn die meisten dieser sogenannten Weihnachtslieder sind nicht nur grottenschlecht, sondern mittlerweile auch dermaßen abgedroschen, dass es einem schier die Mauken von den Füßen reißt. Und dabei spreche ich nicht einmal von Wham oder Chris Rea, sondern ganz schlicht und ergreifend von Stille Nacht & Co.. Wie kaum woanders verbindet sich dort ein christlich-verkitschter Impetus mit musikalischer Letztklassigkeit. Wie zu kaum anderer Gelegenheit trifft ein verklärtes Religionsgesäusel auf infantiles Harmoniegekrotze und beschwört damit das tiefenpsychologische Menetekel einer verkorksten Sexualmoral herauf. Denn schließlich wurde das Christkindlein angeblich auf Basis einer unbefleckten Empfängnis von einer Jungfrau auf die Welt gebracht. Kein Wunder, dass man diese Leute damals nicht in die Häuser lies...
Trotz all dieser musikalischen Belästigungen haben wir von Liquid Sky keine Schwierigkeiten mit der Jahresendfeier - zumindest solange die Geschenkebilanz stimmt. Wagen wir also einen kleinen Jahresrückblick: Das Jahr 2010 begann sehr vielversprechend mit einem Gig an Sylvester und einem weiteren am 2. Januar. Die Gigs als solche verliefen weniger vielversprechend, was besonderen Umständen zu dieser Zeit geschuldet war. In der Folge verließ uns unser Zweitgitarrist, was nicht nur in gruppendynamischer Hinsicht ein kleines Loch ins Bandgefüge riss. Auch in musikalischer, denn in einer Triobesetzung lastet auf dem alleinigen Gitarristen ein wesentlich höheres Arbeits- und Verantwortungspensum, als beim klassischen Rock-Quartett. Wir machten uns also auf die Suche nach entsprechender Verstärkung, jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Lübeck ist nunmal ein mieses Pflaster, wenn es um lokale subkulturelle Bandprojekte geht, die sich ein wenig abseits vom präkommerziellen Mainstream á la "Die Fischer" oder Projekten der RPS (Rock-Pop-Schule) bewegen. Und so verstrich die Zeit - beschleunigt durch eine ausgedehnte Urlaubssaison, an die sich eine ebenso ausgedehnte Grippewelle anschloss. Doch nun, im winterlichen Ende des Jahres, kommt unsere Suche nach Verstärkung deutlich voran. Und wie es sich abzeichnet, können wir Euch hoffentlich demnächst unsere Frohe Botschaft verkünden und mit neuer Besetzung und neuem Elan in das Jahr 2011 starten! Parallel dazu werden wir diese Internetpräsenz runderneuern und - selbstverständlich - so schnell wie möglich auf die Bühnen klettern! Also: Immer schön reinschauen in www.liquidsky-rock.de!
Schöne Feiertage und viele Geschenke wünscht Euch
Frank