Musikbrief August 2011


Kotbürste für einen sauberen Hintern...

Moin Fans, Sympathisanten und Musikfreunde!


Musikbrief August

Woran erkennt man, dass man alt wird? Ganz einfach: Wenn man das erste Mal feststellt, dass die Vögel ab Ende Juli nicht mehr singen. Ein untrügliches Zeichen des nahenden Herbstes, des Endes eines ohnehin wenig überzeugenden Sommers und der Vergänglichkeit im Allgemeinen.

Kürzlich hörte ich in einem miesen Kriminalfilm folgenden Spruch: "Der letzte Rest der Kindheit stirbt heute irgendwann zwischen Zwölf und Vierzehn". Falsch hoch zehn! Die Kindheit stirbt nie, sondern bildet bis ins hohe Alter hinein das Fundament menschlichen Handelns. Erwachsene haben mehr Wissen, mehr Geld, mehr Macht, mehr Handlungsspielraum oder mehr Erfahrung. Doch das, was ihr Handeln im Kern antreibt, ist nur allzu häufig kindlich bis infantil.

Beispiele gefällig? Ganz klassisch - die Autofahrer. Je dicker die Karre, desto kindlicher der Geist hinterm Steuer. Da wird geprotzt, geheizt und gehupt, mit den Motoren gedröhnt und geröhrt, und das alles ohne Sinn und Verstand. Fachleute wissen, der Rest ahnt es schon längst: die Karre ist ein plumpes Mittel, klein geratene Egos aufzupolieren. Kinderkram par excellence.

Oder Religionskriege. Was haben Christentum und Islam gemeinsam? Jeweils eine allmächtige Gottesfigur, die so ziemlich alles ist und kann, was einem kleinen Puper imponiert. Das macht Monotheismen brandgefährlich, denn vor allem ihre orthodoxe Anhängerschaft zeichnet sich durch eine besonders infantile Haltung aus. Je gestörter das Ego, desto tiefer der Glauben. Das psychologische Grundmotiv kennt man aus der Sandkastenzeit und lautet "mein Papa ist aber viel besser als deiner und ich bin ihm der beste Sohn". Dumm nur, wenn Kinder mit Identitätsproblemen über ganze Armeen befehlen und komplette Völker in den Tod bomben können.

Oder Silvio Berlusconi. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Da wird ein Medienmogul zum Ministerpräsidenten gewählt, weil er die Meinungsmacht besitzt. Wäre in Deutschland auch möglich, aber zum Glück betrachten Axel Springer und Reinhard Mohn (Bertelsmann) die Radieschen von unten. Trotzdem, die olle Liz mischt zur Genüge in Berlin mit, und auch Elfriede Springer flüstert dem unsäglichen Kai Diekmann ihre politischen Kapmpagnengelüste zu. Mit Demokratie hat das nichts zu tun, eher mit Medienmissbrauch und Plutokratie. Wer am meisten zusammengerafft hat, ist der Chef. Kennt man ebenfalls aus der Krabbelkiste und ist übrigens das, was den Kapitalismus so erfolgreich macht: die Verwurzelung in einer prä-pubertären Sandkastenethik.

Doch zurück zu Silvio. Ein elender Machotyp ohne jeglichen Sinn für demokratische Verfahren regiert einen Mitgliedsstaat der ach so fortschrittlichen Europäischen Union. Ein gewissenloser Politschurke, der sich in urkapitalistischer Manier nimmt, was er zwischen die schmierigen Finger kriegen kann. Und sei es - man ist ja ein ganzer Kerl - eine minderjährige Prostituierte. Macht nix, wenn man dabei erwischt wird - man kann sich ja die Gesetze so hinzimmern, dass man nie belangt wird. Was schert uns die Gewaltenteilung? Hauptsache, man hat Geld, Macht und jede Menge Spaß. Vernunft, Reife, Verantwortung oder Moral - Fehlanzeige. Eine entwickelte Persönlichkeit? Mitnichten. Eher ein dümmliches Kind im faltigen Körper eines Greises, das in seinem ganzen Handeln nur eine Botschaft kommuniziert: "Seht her, ich hab den Längsten!"

Kommen wir nun zur musikalischen Sektion. Der vergangene Juli war nicht nur einer der kältesten und verregnetsten der letzten Jahre, sondern auch der letzte, den die britische Soulsängerin Ami Winehouse miterleben durfte. Sie segnete unter noch ungeklärten Umständen das Zeitliche und hinterließ eine fassungslose Fangemeinde. Diese verlieh ihrer grenzenlosen Erschütterung mit einer Verzehnfachung einschlägiger Musikdownloads Ausdruck. Menschen, zu denen ich im Übrigen nicht zähle, denn ich mag keinen Soul und konnte mit Frau Winehouses Musik nie etwas anfangen. Viel mehr aber mit ihrem wohlgepflegten Image des versoffenen Mikrofonluders, das schonmal einen Gig im Weinrausch untergehen ließ. Aber auch so etwas muss man sich erst einmal leisten können...

Ansonsten ist nicht viel aus der Welt der Musikindustrie zu mir vorgedrungen, weshalb ich das Thema erweitere und auf Jürgen von der Lippe zu sprechen komme. Einige von Euch kennen sicher noch seine belanglose Banal-Humoreske " Guten Morgen liebe Sorgen, seid ihr auch schon alle da.." oder die seicht vor-sich-hin-plätschernden TV-Shows aus den 90ern, bei denen unter seinem weiten Hawaihemd nicht nur der Schmähbauch, sondern immer auch eine Portion behäbiger Spießigkeit hervorquoll. Das alles hätte man ihm verzeihen können. Auch jemand wie er hätte Vergebung erfahren und wäre dem Fegefeuer entronnen.

Doch Jürgen konnte dem Bösen nicht entsagen. Einfältig fiel er auf die Einflüsterungen des Kommerz-TV-Teufels herein und moderiert nun eine Sendung namens "Ich liebe Deutschland". Halten wir an dieser Stelle inne und kontemplieren über folgenden Fragen: Wie tief kann ein Mensch fallen? Wie sehr kann sich ein Mensch dem Kapital andienen? Und wieviel Würde kann ein Mensch verlieren, um eine grottendümmliche Patriotismusshow zu moderieren, passend zur neoliberalen Durchhaltekampagne "Du bist Deutschland" und allen anderen Propagandatricks, den Leuten die soziale Spaltung im Lande schmackhaft zu machen. Von der Lippe - ein Dirk Bach für angealterte Couchfurz-Hetreos. Mein Tipp für ihn: einfach mal bei Ami Winehouse reinschauen...

Werfen wir zum Schluss noch einen kleinen Blick in den Liquid Sky - Probenraum. Trotz - oder vielleicht auch wegen - des Sommers sind wir fleißig am üben und haben wieder zwei neue Songs ins Repertoire aufgenommen. Parallel dazu befassen wir uns mit den Möglichkeiten der Computertechnik und versuchen, Bassspuren, Soundeffekte und satanische Botschaften aus der Retorte in unseren Live-Sound einzubauen. Bis zum Beginn der Auftrittssaison wollen wir unser Repertoire dann endgültig fertig haben. Ihr könnt also wie immer gespannt sein.

Mit solidarischen und musikalischen Grüßen

Frank