Musikbrief März 2011


Endlich Angrillen! Aber bitte mit vegetarischen Soja-Steaks!

Moin Fans, Sympathisanten und Musikfreunde!


Eigentlich hätte es nicht noch eines schwerwiegenden Beweises für die Dümmlichkeit der Spezies Mensch bedurft. Dabei hätten der Holocaust, Welt- und andere Kriege, der Turbokapitalismus oder irrationale und totalitäre Glaubenssysteme bereits völlig ausgereicht. Aber nein, man muss ja noch Atomkraftwerke mitten in Erdbebengebiete pflanzen. Sie überhaupt zu bauen, ist ja schon dämlich genug. Aber genau auf dem Treffpunkt von Pazifischer und Eurasischer Kontinentalplatte... Ich muss schon sagen, da gehört einiges dazu. Hut ab!

Auch hierzulande war und ist man noch kräftig am Zittern. Denn kaum war die Tinte auf dem zwischen Bundesregierung und Energiekonzernen ausgekungelten "Atomkonsens" trocken, erteilte das AKW Fukushima eine plastische Lektion in Sachen Restrisiko. Nun heißt es Zurückrudern und Symbolpolitik betreiben. Denn die vor sich hin kokelnden Brennelemente im fernen Japan lassen die Atomkanzlerin und ihre Mundfalten nun auch symbolisch recht alt aussehen. Also tut man so, als denke man ernsthaft über einen Atomausstieg nach. Man vereinbart ein kleines Moratorium, setzt eine Ethikkommission ein und hofft derweil auf den Vormarsch von Morbus Alzheimer.

Einer Partei zumindest kam die Reaktorkatastrophe sehr gelegen: den Grünen. Mittlerweile zwar eher schwarzgrün angelaufen, konnte sich die Partei der umweltbewussten Zweitwagenbesitzer im Schatten des fernen Strahlentodes unter einem kräftigen süddeutschen Stimmenhoch sonnen. Jetzt dürfen sie im Mutterland des deutschen Spießertums sogar den Ministerpräsidenten stellen. Dieser sieht allerdings nicht minder spießig aus, als die elenden Protzboliden in den Carports vor den weißgetünchten Einfamilienhäusern in seinem miefigen Ländle. Und bekennender Katholik ist er auch noch, womit sich der Kreis zum ersten Absatz wieder schließen dürfte.

Ob Herbert Grönemeyer an Gott glaubt, ist mir dagegen nicht bekannt. Wundern würde es mich jedenfalls nicht. Er glaubt aber sicher daran, mit seiner neuen Platte "Schiffsverkehr" wieder einen guten Schwung Kohle einfahren zu können. Angehört habe ich mir das Album nicht - und ich werde auch einen Teufel tun. Warum? Weil Grönemeyer wie kein anderer für den offiziellen deutschen Amts-Poprock steht. Sogar noch mehr als die hannoveraner Maschmeyer-Spezis The Scorpions. Ob Ruhrgebiets- oder Fußballhymne - Grölemeyer kennt weder Pardon noch Selbstachtung. Er haut raus, was ihn bewegt und sich zu Geld machen lässt. Frau geht über den Jordan - gleich mal ein Lied geschrieben und auf den Markt geworfen. Erinnert mich irgendwie ein wenig an die Grünen und Fukushima...

Ganz nebenbei gefragt, wer ist eigentlich dieser Justin Biber? Bei meinen Recherchen stieß ich immerzu auf dieses singende Kind, das wie Grölemeyer auch bei "Wetten Dass" abhotten durfte. Pure Neugierde veranlasste mich zu einem fahrlässigen Klick bei YouTube. Und ich sah, wie weinende junge Mädels einem zarten Milchbubi huldigten, der nicht einmal besonders gut singen konnte. Wenn das die viel beschworenen "künftigen Generationen" sein sollen, dann braucht man das mit der Atomkraft dann doch nicht so bierernst zu nehmen...

Aber es gibt auch Positives zu berichten: Phil Collins will sich zur Ruhe setzen. Endlich! Gerüchten zufolge soll er sich sogar für seine miese Musik der letzten Jahre entschuldigt haben, wofür sich jedoch keine Belege finden lassen. Doch nehmen wir es einfach mal an - zu seinen Gunsten. Das würde seinem überfälligen Abgang sowas wie Größe verleihen und ihn uns in guter Erinnerung behalten lassen. Dann würden wir ihm auch den klebrigen Hausfrauenpop verzeihen, dem er einige seiner Millionen verdankt.

Wir von Liquid Sky würden selbstredend niemals so tief sinken, für schmutziges Geld anbiedernde Popliedchen zu schreiben. Lieber darben wir und bleiben uns treu. Denn nur wer leidet, komponiert authentisch. Geld brauchen wir nun ohnehin nicht mehr so dringend, denn es wird langsam Sommer und der Probenraum muss nicht mehr teuer aufgeheizt werden. Vorbei sind die Zeiten, als die Band mit Mützen und Thermohosen zu den Proben erschien und die Finger an den Saiten festfroren. Auch die Gemüter dürften wieder sonniger werden. Passend dazu wird der April mit überwiegend akustisch instrumentierten Proben ausgefüllt sein, um auch als sogenannte Unplugged-Band auftrittsfähig zu werden. Schließlich steht der Sommer vor der Tür - und damit laue Abende mit musikalischer Untermalung, kullernden Bierflaschen, kreisenden Joints, willigen Jungfrauen, schicken Mantras und was man sonst so alles für sein Seelenheil braucht.

Und zu guter Letzt: Sicher habt Ihr schon die Abteilung Haindl-Spatzier-Projekt auf dieser Website entdeckt. Dabei handelt es sich um eine kleine, aber sehr laute Band, die Joachim und ich zwischen 1991 und 2002 betrieben haben. Wir finden, das es schade wäre, Euch diese Musik vorzuenthalten. Und auch wird es demnächst etwas Neues vom legendären HSP geben! Also schaut immer schön rein in diese Website - your source of real independend muzak!

Mit solidarischen und musikalischen Grüßen

Frank