
Die Musikküche
Frühlingsgefühle
Während das Land in die Rezession schlittert, bewegt sich das Jahr auf den Frühling zu. Depression auf der einen, Freude auf der anderen Seite. Die Stimmung ist schlecht, denn völlig zu Recht keimt in vielen von uns eine immense Wut darüber auf, jene bittere Suppe auslöffeln zu müssen, die uns Politik und Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten eingebrockt haben. Zwar sind die Auseinandersetzungen vom 1. Mai noch lange keine sozialen Unruhen im engeren Sinne - doch selbst in uns harmoniebedürftigen Deutschen brodelt es gewaltig in der Tiefe. Die Gesichter auf den Straßen sind regungslos und verschlossen. Kaum ein Lächeln entfährt den Menschen, die oft gar nicht so recht zu wissen scheinen, wie ihnen geschieht. Sorgenvoll schaut man auf die eigene ungewisse Zukunft, während ein bestenfalls hilfloser Staat Abermilliarden an Steuergeldern in eine marode Wirtschaft umverteilt - wobei das eigene Konto immer leerer zu werden droht und sich keine Sau dafür interessiert.
Keine Frage, die Zeit für den politischen Prostest ist reif. Die Zeit für den kulturellen Prostest ist es aber nicht minder. Und da eine Krise immer auch den Keim einer kathartischen Veränderung in sich trägt, bleibt zu hoffen, dass diese Chance nicht ungenutzt bleiben möge. Wenn nun mit dem Frühjahr auch Grillsaison, Frühlingsgefühle und Freiluftpartys an den Start gehen, dann geschieht dies vor diesem konkreten Hintergrund. Kultur im Allgemeinen und Musik im Besonderen kann dabei drei Funktionen übernehmen, nämlich erstens inhaltlich Stellung zu beziehen, zweitens einzulullen und abzulenken sowie drittens einen positiven Soundtrack beizusteuern. Letzteres ist eher unser Beitrag, nämlich die Frühlingsgefühle in einer schwierigen Zeit zu stimulieren - ohne einzulullen und stets im Bewusstsein um die konstruktiven Chancen dieser Krise.
Nach einer kleinen urlaubsbedingten Pause gehen wir jetzt im Mai wieder mit voller Kraft an die Arbeit. Wir freuen uns, dass Dirk Molzahn nun ein festes Bandmitglied geworden ist und spielen so nun nach vielen Jahren wieder als Quartett in einer Besetzung mit zwei Gitarren. Dirk ist im Übrigen ein "Fan der ersten Stunde" und hat auch die Entwicklung von Liquid Sky 1.0 hautnah miterlebt. Der Bass wird weiterhin zwischen Jules und mir herumgereicht werden, was keinesfalls als irgendeine Form des Kompromisses missverstanden werden darf, denn wir spielen beide tatsächlich sehr gerne Bass! Wir haben in der kommenden Zeit also jede Menge zu tun, und natürlich jede Menge (hoffentlich) brillianter Ideen. Ihr dürft also weiterhin sehr gespannt sein!
Musikalische & solidarische Grüße
Frank